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Das Original dieses Artikels wurde auf Englisch für den Substack Love & Philosophy geschrieben. Bitte dort liken und kommentieren! Manchmal kommt uns die Menschheit vor wie eine riesige, zerstrittene Familie. Wir kommen nicht miteinander aus. Wir reden aneinander vorbei. Dennoch sind wir gezwungen, denselben, zunehmend überfüllten Planeten zu teilen. Manchmal scheint es, dass uns die Wände auf den Kopf fallen. Doch es gibt kein Entkommen. Es bleibt uns letztendlich nichts anderes übrig, als diesen chaotischen Haushalt am Laufen zu halten – mit Mitbewohnern, die wir uns nicht ausgesucht haben und mit den begrenzten Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen. Wie dies funktioniert (und wie nicht) können wir sehr wohl von zerstrittenen Familien lernen. Diese gleiten schon manchmal in gestörte Beziehungen und Missbrauch ab, aber das kommt überraschend selten vor, wenn man bedenkt, wie viel eigentlich gezankt wird. Die meisten Familien nerven sich liebevoll gegenseitig und dennoch werden die Familienangelegenheiten erledigt. Irgendwie schaffen sie es, nicht in den völligen Wahnsinn abzugleiten. Wie geht das? Sind wir uns einig, dass Konsens überbewertet ist? Eines ist auf jeden Fall sicher: Familien überstehen Konflikte nicht, indem sie so lange diskutieren, bis jemand alle anderen von seiner Meinung überzeugt hat. Wäre die Gesellschaft ein Debattierclub, würden wir in einer Endlosschleife ewiger Gegenargumente gefangen sein: Niemand erzielt klare und dauerhafte Erfolge. Immer gibt es jemanden, der widerspricht. Oft haben wir bei zehn Personen elf Meinungen im Raum. Und genau so sollte es ja auch sein. Eine Vielfalt widersprüchlicher Perspektiven ist kein Mangel, sondern ein Merkmal einer gesunden und offenen Gesellschaft, insbesondere der gelebten Demokratie. Niemand hat alle guten Ideen. Niemand hat die Lösung für alle Probleme. Keine einzelne Strategie funktioniert in jedem Fall. Es gibt keine perfekte Art, unser Leben und unsere Gemeinschaften zu organisieren. Menschen sind unvollkommene Wesen. Genau deshalb ist es wichtig, die Vielfalt zu fördern. Und hier kann das Debattieren zur Auflösung von Widersprüchen mehr hinderlich als hilfreich sein. Versteht uns bitte nicht falsch: Wir sind nicht gegen Konsens, nicht gegen die Auflösung von Widersprüchen. Das wäre höchst unvernünftig. Konsens ist wertvoll, wenn er erreicht werden kann. Es ist nur so, dass wir in letzter Zeit fast schon besessen sind vom Drang, für alles eine optimale Lösung zu finden. Wir streben jedoch auch nicht nach Vielfalt oder Widersprüchen einfach nur um ihrer selbst willen. Was wir wollen, ist die Art von Vielfalt, die einen konstruktiven Beitrag zur Gesellschaft leistet, und Widersprüche, die uns produktiv voranbringen. An dieser Stelle geraten viele Diskussionen über „freie Meinungsäußerung“ auf Irrwege. Wir können das Unerträgliche nicht tolerieren, wie Karl Popper mit seinem Toleranz-Paradoxon aufgezeigt hat. Laut dem deutschen Philosophen Michael Schmidt-Salomon handelt es sich hierbei aber nicht wirklich um ein Paradoxon, sondern um ein falsches Dilemma. Wir können es jenseits des binären Denkens auflösen, indem wir zwei Grenzen unterscheiden:
Die konstruktive Vielfalt, die wir anstreben, existiert innerhalb dieses Fensters, zwischen diesen beiden Schwellenwerten. Aber selbst diese Grenzen sind umstritten. Oft können wir uns nicht darauf einigen, wie wir sie ziehen sollen. Diese Entscheidung ist durch unseren kulturellen und historischen Kontext geprägt. Verschiedene Gesellschaften, zu verschiedenen Zeiten, mit verschiedenen Problemen, setzen diese Grenzen auf verschiedene Art und Weise. Und das ist nicht nur voll in Ordnung, sondern ein essentielles Merkmal von Gemeinschaften, die sich weiterentwickeln und anpassen. Bei der Aushandlung dieser Grenzen entsteht ein neues, praktisches Toleranz-Paradoxon: Wir müssen oft mit Menschen zusammenarbeiten, die wir unerträglich finden. Dies geschieht, weil wir zu binärem Denken neigen und rote Linien um Menschen zu ziehen, anstatt um ihre Ansichten. Es ist traurig aber wahr, dass viele Menschen Meinungen vertreten, die wir als hasserfüllt, bigott, verblendet oder töricht empfinden. Sie bewegen sich klar jenseits der zweiten Schwelle eines anständigen und vernünftigen Menschen. Zumindest würde man das denken. Es sollte jedoch nicht überraschen, dass die Betroffenen die Dinge wahrscheinlich nicht so sehen wie wir. Ganz im Gegenteil: Sie denken, dass wir naiv und arrogant sind und mit unlauterer Absicht handeln. Das ist der permanente Zustand unserer heutigen Gesellschaft: Borniertheit, Fragmentierung und Polarisierung nehmen zu. Wir können uns kaum noch auf irgendetwas einigen – nicht einmal auf grundlegende Tatsachen. Wie können wir unter diesen Umständen unseren Planeten teilen? Wie können wir weiterhin das Gefühl haben, dass wir alle Teil derselben großen Familie sind? Was wir brauchen, ist die Wiederbelebung von Gemeinschaften, die eine gemeinsame Grundlage in der Realität finden und einen neuen Willen zur gemeinsamen Verwirklichung von Zielen pflegen, trotz weit verbreiteter und oft heftiger Meinungsverschiedenheiten darüber, wie diese Ziele zu erreichen sind. Wir können nicht länger warten: Es geht um unser Überleben! (Un)erträgliche Mitgestalter Wir sind Mitglieder des Wiener Kunst- und Wissenschafts-Kollektivs The ZoNE und entwickeln ein mobiles Labor, das auf einer neuen Methodik basiert, die die praktische Zusammenarbeit zwischen Gruppen von Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen, Überzeugungen und Meinungen fördern soll. Wir nennen dieses Labor The Perspective Studio. Dieses Studio nutzt Kunst, Wissenschaft und Philosophie in einem praktischen und spielerischen Umfeld, um den teilnehmenden Mitgestaltern zu helfen, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Der Schwerpunkt liegt dabei eher auf der Neudefinition von Problemen als auf deren Lösung – auf der positiven Nutzung statt der Unterdrückung von Meinungsverschiedenheiten. Unser Ziel ist ein adaptiver Ansatz für die gemeinsame Gestaltung, der sowohl flexibel als auch mitfühlend ist, aber gleichzeitig sicherstellt, dass wir unsere Integrität nicht opfern, dass wir unsere Zeit nicht mit Menschen verschwenden, die nicht die Absicht haben, konstruktiv mitzuwirken, und dass wir unsere Ziele und Grundwerte nicht aus den Augen verlieren. Dieser Ansatz ist in den verschiedensten Situationen nützlich. Deutlich wird dies besonders, wenn eine vielfältige Gruppe von Menschen erkennt, dass es ein allgemeines Problem gibt und dass etwas getan werden muss, sich aber nicht darauf einigen kann, worin genau das Problem besteht, wie es angegangen werden soll oder wie eine zufriedenstellende Lösung aussehen könnte. Vielleicht gibt es keine – zumindest keine, auf die sich alle einigen können. Nehmen wir den Klimawandel oder die soziale Ungleichheit als konkrete Beispiele für solche komplexen Probleme. Wir sind uns uneinig darüber, wie wir vorgehen sollen, und wir können uns nicht einmal darauf einigen, was eine „Lösung“ bedeuten würde – und dennoch wissen wir, dass Untätigkeit keine Option ist. Wie kommen wir in einem solchen Fall voran? An dieser Stelle geraten die Dinge oft ins Stocken. Wir verzetteln uns in fruchtlosen Debatten. Wir blockieren uns gegenseitig, nur um Initiativen von anderen zu verhindern. Wir schaffen Spannungen und Spaltungen, wo es diese wirklich nicht braucht. Und wir weigern uns, mit denen zusammenzuarbeiten, die in der konkreten Frage eigentlich unserer Meinung sind, aber in anderen Fragen Ansichten vertreten, die uns unerwünscht oder zuwider sind. In solchen Fällen kann es produktiver sein, Themen, die nicht miteinander verbunden sind, klar voneinander zu trennen. Ebenfalls hilft es, unsere roten Linien um bestimmte Ansichten zu ziehen statt um ganze Personengruppen. Die entscheidenden Fragen lauten dann:
Was auch wichtig ist: Sich wieder auf das zu konzentrieren, was uns verbindet – die gemeinsame Erkenntnis, dass etwas tun besser ist als nichts zu tun. Lasst uns nicht alles zerdenken. Werden wir aktiv! Und warum sollten wir uns gegenseitig sabotieren, wenn wir immer noch auf gemeinsame Ziele hinarbeiten können? Widersprüchliche Ansätze können nebeneinander bestehen, solange sie sich nicht gegenseitig behindern oder gefährden. Leben und leben lassen, sei unser Motto. In der Kognitionswissenschaft wird dieses Konzept als „Opponent Processing“ bezeichnet. Widersprüchliche Denkprozesse führen zwar nicht unbedingt zu einer bestimmten Lösung, aber sie bahnen Wege, die uns anderweitig voranbringen. Diese Wege eröffnen neue Möglichkeiten – neue Fragen, neue Perspektiven und manchmal sogar unerwartete Zugänge zu genau der Lösung, nach der wir die ganze Zeit vergebens gesucht haben. Dies unterstreicht die Bedeutung der Problemformulierung („problem framing“) verglichen mit der Problemlösung. Ein Problem kann deshalb unlösbar erscheinen, weil es falsch formuliert ist. Bevor wir uns auf Lösungen stürzen, sollten wir inne- halten und darüber nachdenken, was für unsere Situation wirklich relevant ist. Widersprüchliche Ansätze sind hier besonders nützlich: Sie decken Aspekte eines Problems auf, die wir möglicherweise übersehen haben, und ermöglichen es uns, ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten zu erkunden. Wenn wir uns zu sehr auf unmittelbare Lösungen konzentrieren, blenden wir diese vielfältigere Landschaft alternativer Formulierungen und Möglichkeiten aus. Ein inspirierendes Beispiel für die Umsetzung dieser Prinzipien ist das „Climate Majority Project” in Großbritannien. Umfragen zeigen, dass etwa drei Viertel der Briten über den Klimawandel besorgt sind, aber nur wenige glauben, dass die bestehenden Ziele erreicht werden. Das Projekt zielt darauf ab, diese schweigende Mehrheit zu sinnvollen Maßnahmen zu motivieren – unabhängig davon, was die Teilnehmer von Einwanderung, Vermögenssteuern, Krieg im Nahen Osten, Gender-Pronomen oder Ananas auf Pizza halten. Die dahinterliegende Einsicht ist einfach, aber tiefgründig: Um ein bestimmtes Problem anzugehen, müssen wir uns nicht in allen anderen Punkten einig sein. Es stimmt schon, dass alles in unserer Welt miteinander verbunden ist – aber darum geht es hier nicht. Die Herausforderung besteht darin, starre ideologische Konstellationen aufzubrechen, damit wir dort, wo es wirklich darauf ankommt, effektiv handeln können. Leben heißt Kompromisse schließen. Der Knackpunkt ist, zu erkennen, wann ein Kompromiss sinnvoll ist und wann wir eine klare Grenze ziehen und diese auch verteidigen müssen. Auch dies ist eine persönliche Entscheidung – eine, die in jeder Situation neu überdacht werden sollte. Keiner dieser Grundsätze ist theoretisch. Diese Prinzipien müssen praktiziert werden, um sinnvoll zu sein. Und wir brauchen strukturierte Räume, um sie gut umsetzen zu können. The Perspective Studio bietet genau das: eine sichere Umgebung für Einzelpersonen und Gruppen, um die Vor- und Nachteile von Kooperationsstrategien für kollektive und kreative Mitgestaltung zu erkunden. Ihr kommt ins Studio – oder das Studio kommt zu euch. Wissenskunst: ein ernstes Spiel mit Ideen Bevor wir tiefer in unsere Methodik eintauchen, sollten wir uns fragen, was das alles mit einem Studio und mit Kunst zu tun hat? Das ist eine berechtigte Frage. Die einfachste Antwort lautet: Im Perspective Studio schaffen wir ein gemeinsames Kunstwerk, um unsere Mitgestalter aus ihren Köpfen in eine verkörperte Praxis zu versetzen. Aber es gibt auch noch andere, tiefere Gründe, warum wir unsere Arbeit auf Kunst gründen. Der erste dieser Gründe ist, dass Kunst auf einzigartige Weise auf Veränderungen in der gemeinsamen Sensibilität eines Zeitalters reagiert – was Michel Foucault als Episteme bezeichnet hat: das kulturelle Medium, das unser Denken und unser allgemeines Sein innerhalb einer historischen Periode prägt. Betrachten wir zum Beispiel das Aufkommen der Postmoderne. Ihre Keime wurden in den dekonstruktivistischen Tendenzen der sogenannten modernen Kunst gesät, Impressionismus, Expressionismus, Kubismus, Dadaismus und so weiter, die eigentlich bereits postmodern waren. Marcel Duchamps Fountain (1917), ein Urinal aus Porzellan, das als Kunstwerk ausgestellt wurde, ist ein herausragendes Beispiel für diese Entwicklung. Diese radikale Infragestellung künstlerischer Konventionen fand später ihren Widerhall in der postmodernen Philosophie der 1960er Jahre, die in den 1970er und 80er Jahren in der Form diverser Manifestationen von „Kulturtheorie“ akademische Beachtung fand und Anfang der 2000er Jahre durch Wokeness- und Social-Justice-Bewegungen Einfluss auf Politik und Kultur nahm. Maurizio Cattelans Comedian (2019), eine mit Klebeband an einer Wand befestigte Banane, dient als ironischer Kontrapunkt zu Duchamp und signalisiert, dass die Episteme der Postmoderne möglicherweise ausgedient hat. Dieser kurze historische Exkurs zeigt, wie Kunst oft Jahrzehnte im Voraus umfassendere intellektuelle und kulturelle Veränderungen antizipiert. In diesem Sinne hoffen wir, Kunst als Frühwarnsystem für das nutzen zu können, was nach unserer aktuellen postmodernen und zunehmend postfaktischen Ära kommen könnte. Der zweite Grund, warum wir uns durch Kunst ausdrücken, ist der folgende: Wir wollen der Menschheit helfen, ihre Verletzlichkeit wiederzuentdecken. Wir leben in einer Zeit der ständigen, schamlosen Selbstdarstellung. Die Kunst ist zwar keineswegs immun gegen diesen Trend (ganz im Gegenteil), bleibt aber eines der mächtigsten Mittel, ihn in Frage zu stellen und zu untergraben. Darüber hinaus haben Jahrhunderte materiellen Überflusses und technologischen Fortschritts eine gefährliche Hybris hervorgebracht – insbesondere unter Wissenschaftlern, Ingenieuren, Erfindern, Unternehmern, Technokraten und Politikern. Wir sehen uns mittlerweile als unbesiegbar, grenzenlos, außerhalb und über der Natur stehend. Aber diese Illusion von Macht und Kontrolle bröckelt. Klimawandel, ökologischer Kollaps, politische Instabilität und soziale Unruhen verschmelzen zu einer sogenannten Meta- oder Polykrise. Wir haben einen Kairos erreicht, einen Wendepunkt in unserer Geschichte. Aber Kairos bedeutet im Griechischen nicht nur Krise, sondern auch „der richtige Moment”. Wie wir bereits an anderer Stelle dargelegt haben, gibt es keine schnellen technologischen Lösungen für unsere missliche Lage. Stattdessen ist dies vielleicht die letzte Chance, unsere Einstellung zu ändern. Was wir jetzt brauchen, ist weniger Hybris und mehr Demut, ein neues Bewusstsein für unsere Grenzen. Angesichts dieser radikalen Unsicherheit müssen wir wieder lernen zu spielen – mit allen Bereichen unseres Lebens. Deshalb nutzen wir das künstlerische Konzept des ernsten Spiels, um Räume zu schaffen, in denen wir unsere Verletzlichkeit teilen, ehrlich und authentisch miteinander umgehen und die komplexen Probleme unserer Zeit neu überdenken können. Um dies zu erreichen, fokussieren wir auf den künstlerischen Prozess und das Streben im Atelier – einem Ort des Experimentierens, an dem erlaubtes „Scheitern“ ein wesentlicher Bestandteil des Spielens ist – einem Raum, der die Möglichkeit zum Erforschen und zu persönlichen Entdeckungen bietet, ohne voreilige Kritik und Urteile. Man könnte dies als eine neckischere Version dessen betrachten, was der Pädagoge und Philosoph Parker Palmer als „Circles of Trust” bezeichnet – Räume des tiefen Zuhörens und des gegenseitigen Vertrauens. Oder man könnte Parallelen zur engagierten (oder engagierenden) Erkenntnistheorie der Philosophin Hanne De Jaegher sehen, die wahres Wissen als eine Form der aktiven, empathischen Interaktion mit anderen betrachtet. Ernstes Spielen macht es möglich, uns selbst und andere mit aufrichtiger Ironie zu betrachten. Unser Spiel ist ernst, weil wir uns bemühen, einander so anzuerkennen, wie wir wirklich sind. Nur aus einer solch ehrlichen Anerkennung kann echte Mitgestaltung entstehen. Aber unsere Ernsthaftigkeit ist auch spielerisch, weil wir wissen, dass wir letztendlich gar nicht so wichtig sind. Wir geben zu, dass wir in vielen Dingen falsch liegen – meistens sogar. Das ist es, was der Philosoph und Dichter William Irwin Thompson als Wissenskunst bezeichnet hat: ein ernstes Spiel mit wissenschaftlichen und philosophischen Ideen, das die Grenzen des Erkennens in diesem Zeitalter der Krisen und Chancen erweitert. Wissenskunst ist keine traditionelle Kunst, Wissenschaft oder Philosophie, und auch keine einfache Verschmelzung dieser drei Domänen. Stattdessen erkundet sie die Zone zwischen bestehenden Institutionen und Forschungsmethoden. Sie nutzt Synergien, die nur an den Schnittstellen zwischen verschiedenen Disziplinen und Praktiken entstehen. The Perspective Studio Wie funktioniert sowas in der Praxis? The Perspective Studio ist ein moderierter Prozess, den wir in gemeinschaftsorientierte Kontexte einbringen – in Unternehmen, akademischen Einrichtungen, der Kunstszene und darüber hinaus. Es handelt sich um eine kollektive Praxis, die sich den Mitgestaltern und der Umgebung anpasst. Sie findet in unserem Studio, an Veranstaltungen, in Klassenzimmern, öffentlichen Räumen, im Freien oder in jeder anderen Umgebung statt, die Menschen dazu inspiriert, gemeinsam zu reflektieren und schöpferisch tätig zu werden. Innerhalb dieses breiten Rahmens unterstützen wir eine Vielzahl von Aktivitäten. Manchmal manifestiert sich unser Studio als fokussierter Workshop, der Gruppen dabei hilft, ein schwieriges Problem neu zu denken und zu formulieren. Ein anderes Mal wird es zur Struktur für einen Team-Retreat oder eine öffentliche Versammlung, die die Gemeinschaft stärkt oder ein basisdemokratisches Engagement anregt. Im Bildungsbereich ermöglicht es den Schülern, sich auf spielerische Weise mit komplexen Ideen auseinanderzusetzen. In Institutionen bringt es Interessengruppen in einen konstruktiven Dialog für gemeinsames Entscheiden und die Gestaltung von konkreten Maßnahmen. Im akademischen Umfeld kann es sich zu Untersuchungen ausweiten, die neue Forschungswege eröffnen. Und in längerfristigen Kooperationen bietet es ein Gerüst für die Entwicklung strategischer Visionen, neuer Organisationsstrukturen oder vertrauensbasierte Netzwerke zwischen verschiedenen Change Agents. Besonders schätzen wir Situationen, die eine transdisziplinäre Zusammenarbeit erfordern, z.B. zwischen Künstlern, Ingenieuren, Wissenschaftlern und Philosophen. Wir helfen Unternehmen, mit Kunst, Universitäten, Museen oder anderen öffentlichen Einrichtungen zu kooperieren, um gestalterische und wissenschaftliche Perspektiven in ihre Prozesse einzubringen. Wir übersetzen abstrakte Theorien – aus einer Vielzahl von Disziplinen – in praktische Ansätze zur Bewältigung dringender kultureller und gesellschaftlicher Herausforderungen. All dem liegt ein einfaches Prinzip zugrunde: Die Stimme jedes Einzelnen hat das gleiche Gewicht. Akademische Titel und berufliche Hierarchien bleiben vor der Tür des Studios, damit alle offen und miteinander gestalten können. Jede Zusammenarbeit beginnt mit der gemeinsamen Gestaltung einer Umgebung und eines Projekts – um einen Ansatz zu entwickeln, der zum jeweiligen Kontext passt. Dazu gehört oft die gemeinsame Schaffung einer künstlerischen Aktion oder Installation, wobei wir uns auf Praktiken aus der bildenden Kunst stützen, um die gemeinsame Erkundung zu verankern. Beispielsweise beginnen wir oft damit, gemeinsam Karten (sogenannte „Mind Maps”) zu zeichnen. Diese dienen sowohl als Metapher als auch als Methode, um zu verstehen, wie begrenzte Wesen wie wir die Welt verstehen. Die Praxis stützt sich auf die Wissenschaft der verkörperten und erweiterten Kognition (engl.: embodied, enactive, extended, embedded oder 4e cognition), welche das Spannungsfeld zwischen abstrakter Kartierung und dem konkreten Territorium aktiver Erfahrung aufzeigt. Anstatt nach einer einzigen Karte zu suchen, die die ganze Realität in allen Details widerspiegelt, erstellen wir eine Reihe spezialisierterer Karten, die robust und für unsere Zwecke nützlich sind. Unsere Mitgestalter lokalisieren ihre eigenen Perspektiven auf diesen Karten und verwandeln sie so in eine Konstellation miteinander verbundener persönlicher Erzählungen. Diese Erzählungen nutzen wir dann in einem Deliberationsprozess – nicht um einen Konsens zu erzielen, sondern um durch Unterschiede Kohärenz zu schaffen. Das Ziel ist es, ein neues Verständnis zu entwickeln, das unterschiedliche, sogar widersprüchliche Standpunkte zu einer konsistenten, aber pluralistischen Grundlage für kollektives Handeln verwebt. Diese Phase unserer Arbeit ist von Nora Batesons Methodik der „Warm Data” inspiriert. Sie lädt die Teilnehmer zu kontext-verändernden Übungen und Formen des ernsten Spiels ein, wodurch die Mitgestalter verschiedene Perspektiven durchlaufen. Wir untersuchen jede Situation durch mehrere Linsen – ökologisch, sozial, emotional, systemisch – und tauchen in jede einzelne ein, um Empathie, Bewusstsein und differenzierte Einblicke in die gegenseitige Abhängigkeit zu fördern. Im Laufe des Prozesses entwickeln sich unsere ursprünglich gezeichneten Karten weiter – sie werden dreidimensional, verwoben und dynamisch. Sie spiegeln nach und nach die Komplexität realer Beziehungen wider. Was als flache Diagramme an einer Wand oder auf dem Boden begann, verwandelt sich in ein räumliches Netzwerk von Ideen und Relationen, das durch unser gemeinsames Engagement gestaltet wird. Wir legen hohen Wert auf gegenseitiges Verständnis und praktisches Mitgestalten, statt mit abstrakten Argumenten zu überzeugen. Die Teilnehmer erkunden gemeinsame Interessen, sprechen über ihre Unterschiede und entwickeln gemeinsam Strategien für den gemeinsamen Fortschritt, basierend auf ihren unterschiedlichen Lebenserfahrungen. Ein wesentlicher Teil unseres Weges besteht darin, verschiedene Ausdrucksformen anzuerkennen, indem Raum für tiefen, nonverbalen Austausch geschaffen wird. Wir achten nicht nur auf das, was gesagt wird, sondern auch auf die verkörperte Kommunikation, die in ausdrucksstarken Bewegungen, kollektiven Konstruktionen oder Handlungen zum Ausdruck kommt. Dies hebt hervor, was wir nicht so leicht in Worte fassen können. Am Ende reflektieren wir gemeinsam über das, was wir geschaffen haben – die Installation oder Aktion, die im gemeinsamen Raum entstanden ist. Welche verborgenen Aspekte unserer Arbeit werden dadurch sichtbar? Welche Erkenntnisse bekommen wir, die man mit Worten nicht hätte ausdrücken können? Und überhaupt, wie fühlt es sich an, zusammen etwas geschaffen zu haben? Wir laden die Mitgestalter dazu ein, Teile des geschaffenen Werks als Erinnerung an den Prozess mit nach Hause zu nehmen, und wir dokumentieren alles mit Video und Fotos. Am wichtigsten ist jedoch nicht das resultierende Artefakt, sondern die gemeinsame Reise zu seiner Entstehung. Unser Ansatz ist speziell auf introvertierte Menschen zugeschnitten. Wir konzentrieren uns auf gruppenbasierte Praxis und weniger auf individuelle Präsentation. Dies unterscheidet uns von traditionellen, diskussionsorientierten Workshops oder solchen, die auf Improvisationstheater basieren und oft den Schwerpunkt auf Kommunikation und Auftreten legen. Unsere Moderationsstrategien sichern die psychologische Sicherheit der Menschen – aber nicht die ihrer Ideen. Durch ernstes Spielen und aufrichtige Ironie werden Mitgestalter ermutigt, zu experimentieren und unvermeidbare Fehler nicht als Mangel, sondern als kreative Katalysatoren zu betrachten. Wir lernen am meisten, wenn wir zugeben und akzeptieren können, dass wir uns irren, sowohl mitten im Prozess als auch retrospektiv nach der Erfahrung. Wir entwickeln unsere Methodik durch Anwendungen in der Praxis weiter. Bisher haben wir unter anderem mit einer lokalen Montessori-Schule, einem akademischen Forschungsprojekt an der Universität Wien, dem Unternehmen ArtEO (im Rahmen des Living Planet Symposiums in Wien), Ars Electronica und der Johannes Kepler Universität in Linz (während ihrer Festival University), dem Learning Planet Institute in Paris und dem Centre for the Less Good Idea in Johannesburg zusammengearbeitet. Wir bevorzugen Präsenzveranstaltungen in unseren Studios, bieten unsere Kurse aber auch online oder in hybriden Formaten an. Dies ermöglicht eine breite Teilnahme über Regionen hinweg und gewährleistet globale Vielfalt und Reichweite. Gemeinsam bauen wir auf und weiter … Wie geht es nun weiter? Und warum schreiben wir über was wir tun? Der Weg in die Zukunft scheint unsicherer als je zuvor. Wir haben keine Wahl: Diesen Weg erbauen wir uns gemeinsam, wie es Philosophin und Autorin Andrea Hiott mit ihrem Konzept des „Way-Making” beschreibt – „der Praxis, einander so gut wie möglich Raum zu geben”, während wir uns auf eine unbekannte und unvorhersehbare Zukunft zu bewegen. Um dies zu tun, müssen wir erst einmal dem Drang widerstehen, alles auf Gegensätze zu reduzieren – schwarz/weiß, gewinnen/verlieren, richtig/falsch. Das Leben ist zutiefst paradox. Um es gut zu leben, müssen wir lernen, manche Paradoxien nicht aufzulösen, sondern sie zu akzeptieren. Nur wenn wir Widersprüche ertragen können, anstatt ihnen auszuweichen, können wir gemeinsam vorankommen auf eine authentische Art und Weise. Das bedeutet nicht, dass wir denkfaul oder inkonsequent sein sollten. Ganz im Gegenteil. Es gibt bereits genug Verwirrung und Dummheit in der Welt. Wir müssen weiterhin sorgfältig überlegen, klar argumentieren und nach Kohärenz suchen, wo sie auch wirklich zu finden ist. Aber selbst wenn Klarheit oder Einigung unmöglich ist, wie es in diesen verwirrenden Zeiten so oft der Fall ist, sind wir dennoch zum Handeln aufgerufen. An diesem Kairos oder Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit haben unsere Handlungen ein außerordentliches Gewicht. Jede kleine Schöpfung, jeder Akt der Fürsorge oder jedes Anzeichen von Mut kann unerwartete Auswirkungen nach außen haben. Das Ziel ist nicht, im Gleichschritt zu denken, sondern gemeinsam voranzukommen – nicht unbedingt im Einklang, aber mit schwungvoller Dynamik. Deshalb hoffen wir, mit den Lesern dieses Aufsatzes eine Reihe von „Circles of Trust” zu etablieren, die sich den Fragen widmen, denen wir uns am dringendsten stellen müssen:
Was wir wollen, ist keine nette Konversation, die unsere Unterschiede übertüncht, sondern ein ehrlicher Dialog, der sie willkommen heißt. Denn in der Verschiedenheit liegt Schönheit – und in dieser Schönheit liegt die Möglichkeit einer Zukunft, die wir uns noch nicht einmal vorstellen können. The Perspective Studio ist mehr als nur ein Workshop-Format – es ist ein mobiles und anpassungsfähiges Labor – ein Spielplatz, auf dem wir untersuchen und verändern, wie wir in dieser fragmentierten Welt zusammenarbeiten. Es wurde entwickelt, um die Praktiken zu testen, zu verfeinern und zu erweitern, die wir hier beschrieben haben. Deshalb suchen wir ständig nach neuen Kontexten, Partnern und Gemeinschaften, in denen wir es zum Leben erwecken dürfen. Wenn ihr euch angesprochen fühlt, einen Funken der Erkenntnis oder Neugier verspürt, laden wir euch herzlich ein, bald einmal an einem unserer Studios teilzunehmen. Lasst uns gemeinsam gestalten! Johannes Jäger und Marcus Neustetter sind Mitglieder des Kunst- und Wissenschafts-Kollektivs The ZoNE.
Sie schreiben gerade ein Buch (auf Englisch) mit dem Titel „Beyond the Age of Machines”, dessen Inhalt auch als animierte Kurzfilme und längere Vorträge erhältlich sind. Rückmeldungen und Nachfragen bitte an diese E-Mail Adresse senden.
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by Johannes Jaeger and Marcus Neustetter download a PDF version of the essay This is a reprint of an essay we wrote for Love & Philosophy. You can find the original here. Please like and post comments over there, not here! Sometimes, humanity feels like an enormous squabbling family. We just can’t seem to get along. We talk past each other constantly. Yet, we are forced to share the same cramped and increasingly crowded home. The walls are closing in on us but there is no way out. So, we have no choice but to make this chaotic household work somehow — with the less-than-ideal company and the limited resources we’ve been given. And, we can learn a lot from squabbling families — both about what works and what doesn’t. They can and do drift into abuse and dysfunctionality. But this happens surprisingly rarely considering just how much bickering is going on. So many families lovingly annoy the hell out of each other — disagreeing on everything, all the time. Still, family business gets done, and most of them manage to avoid descent into complete madness. How do they do that? Can We All Agree That Consensus Is Overrated? One thing is certain: families do not survive conflict by debating until someone has convinced everyone else of their superior wisdom. If society were a debate club, we’d be caught in a loop of eternal rebuttals: nobody scores any clear and lasting victories; somebody always dissents. Often, with ten people in the room, we get eleven opinions. And this is exactly as it should be. A diversity of contradicting perspectives is not a bug, but a feature of any healthy human society — and of lived democracy in particular. No one has all the good ideas. Nobody has the solution to all our problems. No single strategy works everywhere. There is no perfect way to organize our lives and communities. Humans are imperfect creatures — that’s precisely why cultivating diversity matters. And it is where debating to resolve contradictions can get in the way. To be clear, we are not against consensus, not against resolving contradictions. That would not be reasonable. Consensus is valuable — when it can be reached. It’s just that we’ve become a bit obsessed with it lately, as part of our urge to find an optimal solution to everything. But we don’t seek diversity or contradiction for their own sake either. What we want is diversity that contributes constructively to society, and contradictions that move us forward productively. This is where many contemporary discussions about “free speech” go off track. We should not and cannot tolerate the intolerable — as Karl Popper pointed out with his paradox of tolerance. According to German philosopher Michael Schmidt-Salomon, this isn’t really a paradox, but a false dichotomy. We can resolve it beyond binary thinking by distinguishing two boundaries:
The constructive diversity we seek exists inside this window, between those two thresholds. But even these boundaries are up for debate, and we often fail to agree on where to draw them. The choice is deeply personal, shaped by context — culture, history, circumstance. Different groups of people, at different times, facing different problems, set these boundaries differently. And that is not just totally okay, but a core feature of communities that evolve and adapt. When negotiating these boundaries, a different paradox of tolerance arises: we must often work with people we find intolerable. Again, this happens because we tend to think in binary categories and draw red lines around people rather than around their peculiar views. It is a sad fact that a lot of folks hold opinions that come off as hateful, bigoted, misguided, deluded, or foolish. They clearly operate beyond the second threshold of any decent and reasonable human being. Or so you’d think. Because — and this should come as no surprise — they probably don’t see things your way, and think that it is you who are naive, arrogant, and acting in bad faith. This is the state of our society today: tribalism, fragmentation, and polarization are all on the rise. We can hardly agree on anything anymore — not even on basic reality. How can we share our home like this? How can we still feel that we are all part of the same family? What we need in this tricky situation is to rebuild and revive communities that cultivate a shared grounding in reality and a renewed will to co-create towards common goals, despite widespread and vigorous disagreement on how to get there. Our survival depends on this. (In)tolerable Co-Creators We are members of The ZoNE, a Viennese art-and-science collective, and we’re developing a portable laboratory or playground built on a new methodology designed to foster hands-on collaboration among groups of people with very different backgrounds, beliefs, and opinions. We call this the Perspective Studio. This studio uses art, science, and philosophy in a practical and playful setting to help participants work together on a shared project. The focus lies on reframing problems rather than solving them — harvesting rather than suppressing differences in opinions. What we aim for is an adaptive approach to co-creation that is both flexible and compassionate, yet also makes sure we do not sacrifice our integrity, waste our time with people who have no intention of contributing constructively, or lose sight of our goals and core values altogether. This approach is useful in many settings. Most prominently, it applies when a diverse coalition of people recognizes that there is a general problem, and that something ought to be done, yet, cannot agree on what exactly the problem is, how to tackle it, or what a satisfying solution would look like. Maybe there isn’t any — at least not one on which everybody can agree. Take climate change or wealth inequality as concrete examples of such wicked problems. We disagree on how to proceed, and we can’t even settle on what a “solution” would mean — yet we mostly agree that doing nothing isn’t an option. So how do we move forward in such a case? This is where things often get stuck. We get bogged down in futile debates. We play dirty tricks to block or neutralize each others’ initiatives. We create divisions where none need exist. Worse, we refuse to collaborate with those who agree with us on the specific issue at hand, but hold objectionable opinions on others. In these cases, it can be more productive to decouple unrelated issues and to draw our red lines around particular views rather than entire people. The crucial questions become:
It also helps to refocus on what unites us: the shared recognition that doing something is better than doing nothing. Let’s get out of our heads and spring into action! And why sabotage one another if we can still work towards common aims? Contradictory approaches can coexist — as long as they do not obstruct or endanger each other. Live and let live. In cognitive science, this idea is known as opponent processing. Contradictory thought processes don’t converge on a single solution, yet they carve out pathways that move us forward. These pathways open up opportunities — new questions to ask, new perspectives to consider, and sometimes even unexpected routes to the very solution we were seeking all along. This highlights the importance of problem-framing over problem-solving. A problem may appear intractable simply because it is framed the wrong way. Before rushing towards solutions, we should pause and reflect on what is truly relevant to our situation. Contradictory approaches are especially useful here: they reveal aspects of a problem we may have overlooked and allow us to explore a wider range of possibilities. Focusing too narrowly on immediate solutions blinds us to the richer landscape of alternative framings and opportunities. An inspiring example of these principles in action is the Climate Majority project in the United Kingdom. Surveys show that roughly three-quarters of Brits are concerned about climate change, yet few believe that existing targets will be met. This project seeks to activate that silent majority into meaningful action — regardless of what participants think about immigration, taxing the rich, war in the Middle East, gender pronouns, or pineapple on pizza. The point is simple yet profound: to address a specific problem, we don’t need to agree on everything else. Yes, everything in our world is connected — but that’s not the issue here. The challenge is to break up rigid ideological constellations so that we can act effectively where it matters. Life is full of compromises. The key is to discern when compromise is wise, and when we must draw a firm line and defend that second boundary. This, too, is a personal decision — but one worth revisiting in each new situation. None of these principles are merely theoretical. They must be practiced to be meaningful. And we need structured spaces to practice them well. The Perspective Studio provides exactly that: a safe environment for individuals and groups to explore the benefits and pitfalls of collaborative strategies for collective co-creation. You can come to the studio — or we can bring the studio to you. Wissenskunst: Serious Play with Ideas Before we dive deeper into our methodology, you might be wondering: what does any of this have to do with a studio and with art? And that’s a fair question. The most direct answer is this: the Perspective Studio uses the practice of collectively creating an artwork to move people from abstract argument into embodied, hands-on co-creation. But there are also two deeper reasons we ground our work in art. The first is that art is uniquely sensitive and responsive to shifts in the shared sensibility of an age — what Michel Foucault called the episteme: the cultural medium that shapes our thinking and general being within a historical period. Consider, for example, the emergence of the postmodern episteme. Its seeds were sown in the deconstructive tendencies of modern art — impressionism, expressionism, cubism, dadaism, and so on — which were really already postmodern in spirit. Marcel Duchamp’s Fountain (1917), a porcelain urinal displayed as an artwork, stands out as a pivotal gesture along this trajectory. This radical questioning of artistic conventions was later echoed in the postmodern philosophy of the 1960s, which gained academic traction in the 1970s and 80s as “Theory,” and began influencing politics and culture — through wokeness and social-justice movements — by the early 2000s. Maurizio Cattelan’s Comedian (2019), a banana duct-taped to a wall, serves as an ironic counterpoint to Duchamp, signaling that the postmodern episteme may have run its course. This brief historical detour shows how art often anticipates broader intellectual and cultural shifts by decades. In that sense, we hope to use art as an early sensor for what might come after our current postmodern, and increasingly post-factual, era. The second reason we express ourselves through art is to help humanity rediscover its vulnerability. We live in a time of relentless, shameless self-promotion. Art, though far from immune to this trend, remains one of the most powerful means of questioning and subverting it. On top of this, centuries of material abundance and technological progress bred a dangerous hubris — especially among scientists, engineers, inventors, technocrats, and politicians. We’ve come to see ourselves as invincible, limitless, standing outside and above nature. But this illusion of power and control is cracking. Climate change, ecological collapse, political instability, and social unrest are converging into what some have called a metacrisis. We’ve reached a kairos, or turning point in our history. But kairos not only means crisis in Greek, but also the right moment. As we’ve argued elsewhere, there are no quick technological fixes to our predicament. Instead, this is our chance — perhaps the last one — to change our attitude. What we need now is less hubris and more humility, a new awareness of our limitations. With such radical uncertainty, we must learn to play again — with all aspects of our lives. That’s why we use the artistic concept of serious play to open spaces where we can share vulnerability, engage honestly and authentically, and rethink the wicked problems of our time. To do this, we acknowledge the artistic process and pursuit in the studio — a site for experimentation where exploratory practice and permitted “failure” are essentials in the act of playing — a space that frames opportunity of play and the possibility of personal discoveries without premature scrutiny and judgement. You might think of this as a more whimsical version of what educator and philosopher Parker Palmer calls circles of trust — spaces of deep listening and mutual recognition, as he discusses in his recent conversation with Andrea on Love & Philosophy. Or you might see parallels with philosopher Hanne De Jaegher’s engaged epistemology (also featured in one of Andrea’s recent podcasts), which views true knowing as a form of active, empathic interaction with others. There are also various other episodes about paradox and play. Serious play allows us to look at ourselves and others with sincere irony. Our play is serious because we strive to recognize each other for who we truly are. Only from such recognition can genuine co-creation arise. But our seriousness is also playful, because we know we’re not that important after all. We admit that we are wrong about many things, most of the time. This is what philosopher and poet William Irwin Thompson called wissenskunst — clumsily translated as theory art: serious play with scientific and philosophical ideas that pushes the boundaries of what can be known in this age of crisis and opportunity. Wissenskunst is not traditional art, science, or philosophy — nor a simple fusion of the three. Instead, it explores the in-between zone of existing institutions and modes of inquiry, harvesting synergies that only emerge at the interfaces between different disciplines and practices. The Perspective Studio How does all this work in practice? The Perspective Studio is a facilitated process that we bring to community-centered contexts — corporate, academic, artistic, and beyond. It is a collective practice that reshapes itself around its participants and environment. It takes place in our studio, at event venues, in classrooms, public spaces, outdoors, or any other setting that inspires people to reflect and create together. Within this broad framework, we support a wide range of activities. Sometimes, it manifests as a focused workshop that helps groups reimagine and reframe a wicked problem. At other times, it becomes the structure for a team retreat or public gathering that strengthens community bonds, or sparks grassroots activism. In educational settings, it allows students to engage hand-on with complex ideas in playful ways. In institutional contexts, it becomes a way to bring stakeholders into constructive dialog for collective decision- and policy-making. In academic environments, it can stretch into week-long inquiries that open new research avenues. And in longer-term collaborations, it provides a scaffold for developing strategic visions, new organizational structures, or networks of trust among change agents. We especially enjoy situations that require transdisciplinary collaboration — bringing together artists, engineers, scientists, and philosophers. We help corporate customers engage with the arts, universities, museums, or other public institutions to integrate creative and scientific perspectives. And we translate abstract scientific and philosophical ideas — from a wide range of disciplines — into practical approaches for addressing urgent cultural and societal challenges. Underlying all of this is a simple principle: everyone’s voice carries equal weight. Academic titles and professional hierarchies are left at the door of the studio so that the work can unfold openly. Each collaboration begins with a process of co-designing an environment and project — to shape an approach that fits the specific context. This often involves co-creating an artistic intervention or installation, drawing on practices from the visual arts to anchor the shared exploration. For instance, we often begin by drawing cognitive and conceptual maps together. These serve as both metaphor and method for exploring how limited beings like us make sense of the world. The practice draws on the science of embodied, enactive, extended, and embedded cognition — (4e) cognition — which reveals gaps and tensions between abstract mapping and the concrete territory of active explorative experience. Rather than seeking an all-encompassing map that mirrors reality in all its glorious detail, we create a set of smaller, more specialized maps that are robustly useful for our particular purposes. Participants locate their own perspectives on these maps, transforming them into a constellation of interconnected personal narratives. We then use these narratives in a process of deliberation — not to reach consensus, but to cultivate coherence through difference. The goal is to generate reframed understandings that weave diverse, even contradictory, viewpoints into a coherent but plural foundation for collective action. This phase of our work is inspired by Nora Bateson’s methodology of warm data. It invites participants into context-shifting exercises and forms of serious play that move across perspectives. We explore each situation through multiple lenses — ecological, social, emotional, systemic — immersing ourselves in each to foster empathy, awareness, and nuanced insight into interdependence. As the process unfolds, our initial maps evolve — they become three-dimensional, interwoven, and dynamic, reflecting the complexity of real relationships. What began as flat diagrams of a wall or floor transforms into a spatial network of ideas and connections, shaped by our collaborative engagement. Throughout, we emphasize mutual understanding and hands-on co-creation, rather than persuasion using abstract argument. Participants explore overlapping interests, articulate their differences, and co-design strategies for collective movement forward, informed by their diverse lived experience. An essential part of the journey is to acknowledge different forms of expression by making space for non-verbal exchange and acts of deep listening — listening not only to what is said but to embodied communication that emerges in expressive movement, collective construction, or actions that bring to the fore what we might not be able to put into words. At the end, we reflect together on what we have created — the structure, installation, or perturbation that has emerged in our shared space. What hidden aspects of our collective work does it reveal? What insights does it contribute that we could not have expressed in words? And how does it feel to have built something together? We often invite participants to keep parts of the co-created work as reminders of the process, and we document it through video and photography. What matters most, however, is not the artifact itself but the shared journey of making it. Our process is designed with introverts in mind. We focus on group-based, practical activities rather than individual performance or presentation. This distinguishes our approach from traditional, discussion-centered workshops or those based on improvisational theater, which often emphasize communication and public expression. Our facilitation strategies promote psychological safety for people — but not for their ideas. Through serious play and sincere irony, participants are encouraged to experiment boldly and to treat serendipitous and unavoidable “mistakes” as creative catalysts. We learn most when we can admit and embrace being wrong, both during and after the experience. We continue to develop our methodology through real-world applications. So far, we’ve collaborated with a local Montessori school, an academic research project at the University of Vienna, the company ArtEO (as part of the Living Planet Symposium in Vienna), Ars Electronica and Johannes Kepler University in Linz (during their Festival University), the Learning Planet Institute in Paris, and the Centre for the Less Good Idea in Johannesburg, among others. While we prefer to hold our studios in person, we also implement them online or in hybrid formats. This enables broad participation across regions and ensures global diversity and reach. Building Together … Where do we go from here? And why are we writing about this for Love & Philosophy? For one, the Perspective Studio is more than a workshop format — it is a mobile and adaptive laboratory, a playground for exploring and transforming how we collaborate in a fragmented world. It is designed to test, refine, and expand the very practices we’ve been describing. And we’re looking for new contexts, partners, and communities in which to bring it to life. So, if you feel that this methodology connects with your own work — if it resonates with issues you care about, or challenges you face — we would love to hear from you. Let’s co-create! But, there is another, deeper reason we are writing this: we sense profound alignment between what we do and Andrea’s own way-making philosophy. Waymaking, as Andrea describes it, is “the practice of holding space for one another as best we can,” while we navigate towards an unknown and unknowable future. To do this, we resist the urge to reduce everything to binaries — black and white, winning and losing, right and wrong. As Andrea often reminds us on her podcast, life itself is deeply paradoxical. To live it well, we must learn not to dissolve paradox, but to hold it. Only when we can carry contradiction — rather than escape it — can we move forward together, honestly. This does not mean we should be lazy or inconsistent in our thinking. Far from it. There’s already enough careless confusion and wilful stupidity in the world. We still need to think carefully, to reason clearly, and to seek coherence where it can genuinely be found. But even when agreement proves impossible — as it so often does in these bewildering times — we are still called to act. At this kairos in human history, our actions carry extraordinary weight. Every small act or creation, care, or courage ripples outward. The goal is not to think alike, but to move together — not necessarily in unison or harmony, but with shared momentum. That is why we hope to establish a series of circles of trust with Andrea and her community, dedicated to the questions we most urgently need to face:
What we want is not polite conversation that glances over our differences, but honest dialog that embraces them. Because there is beauty in difference — and in that beauty lies the possibility of futures we cannot yet imagine. If any of this speaks to you — if you feel the spark of recognition or curiosity — we invite you to join us in one of our Perspective Studios some day soon. Johannes Jaeger and Marcus Neustetter are members of the arts-and-science collective The ZoNE.
They are currently writing a book called “Beyond the Age of Machines,” whose content they also make available, chapter by chapter, as video shorts and full-length videos. Send us feedback or inquiries about collaborations or circles of trust at this email address. |
Johannes Jäger
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